Sie sind Bilderstürmer und wissen es nicht. Sie haben keine Ahnung, warum sie die Bilder hassen, aber sie hassen sie. Dieses Dorf ist eigentlich eine radikale Sekte, aber wie in jeder Gemeinschaft Radikaler ist das Radikale die Normalität und normal sein, eine der wichtigsten Grundregeln. Kein Mensch weiß, wie der Calvinismus in diese Gegend gekommen sein mag. Aber er muss es irgendwie geschafft haben in Gestalt der evangelisch reformierten Kirche.  Bürgerlicher Arbeitsethos, lutherische Selbstbezichtigung, ärmliche Bauern, die es nach dem Krieg trotz widrigster Umstände und Erbschuld irgendwie zum Wirtschaftswunder gebracht haben. Als Kind geprügelt und gedrillt, jetzt – immer noch krank in der Seele – dazu verdammt, den eigenen Nachwuchs vor sich selbst zu beschützen. Arbeit schändet nicht. Macht vielleicht sogar frei von dem schlechten Gewissen. Freiheit für die vermeintlich Reichen. Vermeintliche Freiheit für sich selbst. Lerne dich zu bücken und am Wochenende in die Kirche zu gehen, oder wenigstens zur Konfirmation. Gehe ich mit, oder lieber nicht? Eigentlich habe ich keine Wahl: Wie in vielen ländlichen Gemeinden ist hier der Zugang zu kulturellem, geistigen Leben erst mal nur durch die geistliche Tür möglich. Dahinter lauern allerdings Bedingungen: Das Singen muss ein Preisen, das Kritisieren an der Oberfläche bleiben, sonst schließt sich diese Tür schneller wieder als einem lieb ist. Apropos Oberfläche: das sind immer die Anderen – oberflächlich. Man selbst ist Tiefe. Aus dieser Position heraus kann man zusammen mit dem System gegen dasselbe rebellieren und später wieder darin aufgehen. Tief.

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